About Sidecarcross

Sidecarcross oder Seitenwagen-Moto-Cross ist ähnlich wie Moto Cross mit Solomotorrädern, nur dass es ein Teamsport ist. Fahrer und Beifahrer bewegen zusammen das Motocrossgespann, der Fahrer am Lenker mit Gas und Bremse, der Beifahrer durch Gewichtsverlagerung. Die Motocross-Gespanne sind keine Solomotorräder mit angebautem Seitenwagen, sondern Spezialanfertigungen, die in Kleinserien hergestellt werden.

Hersteller für Rahmen sind unter anderem:

  • AYR (Estland) – gebaut und vertrieben von Estlands Sidecarcross-Legende Are Kaurit.
  • MEFO (Tschechien) – der Deutsche Willi Liebl vetreibt außer den Rahmen noch vorwiegend Motocross-Reifen.
  • VMC (Belgien) – stellte von 2003-2009 den Weltmeister-Rahmen – 6x D. Willemsen (NL)/1x Jo. Hendrickx (B). Der mehrfache Deutsche Meister und Vizeweltmeister Marko Happich (D) fährt seit 2011 VMC-Rahmen.
  • WSP (Holland) – hinter WSP (Willemsen-Sidecar-Productions) steht Berry Willemsen, Vater des 10-fachen Rekordweltmeisters Daniel Willemsen (NL). WSP wurde jetzt seit 2010 3 Mal Kontrukteur-Weltmeister.
  • BSU (Belgien) hatte Mitte/Ende der 90er Jahre mit dem 5-fachen Weltmeister Kristers Sergis (LV) seine erfolgreichste Zeit.
  • EML (früher Belgien/heute Niederlande), die zuletzt aber vorwiegend Straßengespanne und Quads bauten, jedoch auf Anfrage auch Sidecarcros-Rahmen bauen, dominierten mit ihren Rahmen in den 80er Jahren die WM, vorwiegend von den Schweizer Teams pilotiert.
  • WHT ist seit 2009 neu dabei, zählt aber schon einige Top-Teams zu seinen Kunden.

In den 70er Jahren hatten die Engländer von WASP eine absolute Vormachtsstellung, zogen sich dann aber nach und nach aus der Sidecarcross-Szene zurück und konzentrierten sich vordergründig auf die Straßengespanne. WASP genießt unter den Veteranen-Gespann-Fahrern allerdings immernoch einen äusserst guten Ruf.

Kaum bekannt, aber mit wenigen Stückzahlen vertreten sind die Hersteller SpaTech aus der Schweiz, BasTech und Hocob aus den Niederlanden. Auch bei den Motoren gibt es mehrere Hersteller, die mal mehr mal weniger viel vertreten sind. So werden ausschließlich Zwei- oder Viertakter eingesetzt. Die Einzylinder-Zweitaktmotoren müssen mindestens 350ccm³ höchstens aber 750ccm³ Hubraum haben. Die Zweitaktmotorenschmiede von Friedhelm Zabel – dessen momentan aktuelles Modell, der ZM29 mit 700ccm³ und ca. 87 PS starken zu gefallen weiß – hält bis heute den Rekord, mit Daniel Willemsen (NL) als Fahrer sechs (!!!) aufeinanderfolgende, und ingesamt neun WM-Titel gewonnen zu haben. Ein weiterer Hersteller für Zweitakter ist z.B. die Firma MTH (Hattinger) aus Österreich, die mit Kristers Sergis (LV) als Fahrer in in den Jahren 2000-2003, auch 3x in Folge den Weltmeistertitel eingefahren feiern konnten. Nach der Übernahme der Firma Hattinger durch die Firma Rübig heißt der neue Zweitakter nun MTR MEGA. Dieser Motor ist einen Weiterentwicklung des MTH. Gleich im ersten Jahr konnte die Firma MTR das WM-Team Kevin Bitsche (A) – Johannes Vonbun (A) als Werksfahrer gewinnen. Sowohl die Zweitaktmotoren von Zabel als auch von MTR sind sehr hochdrehende Aggregate, die ihre volle Leistung im oberen Drehzahlbereich haben.

Das genaue Gegenteil davon, nämlich mit viel Schub/Leistung von unten heraus, bringen die Viertaktmotoren mit sich. KTM, auf Basis der LC4 und der SX525, stellt mehr oder weniger das Grundmodell, meist aber werden die Motoren von Spezialfirmen wie FRAUENSCHUH-TUNING getunt und mit mehr Hubraum, und vor mit mehr allem Leistung ausgestattet. In 2009 holte KTM mit den Belgier Joris Hendrickx (B) seinen ersten Kontrukteurstitel seit 1997. Mittlerweile sind aber seit einigen Jahren aber auch neben KTM noch die beiden Schwedischen Motorenhersteller HUSABERG und HUSQVARNA mit ihren 4-Taktmotoren verteten. Und nicht zu vergessen sind natürlich die Tschechen, mit ihren aus dem Speedway- und Grasbahnsport bekannten „Dampfhämmern“ von JAWA starten. Des weiteren sind aber auch die japanischen Cross-Motoren, wie die von , Honda, Yamaha und vor allem von Kawasaki, die Anfang der 90er Jahre 6 Mal in Folge (1991-1996) den Weltmeistermotor stellten. Allerdings sind diese Motoren aufgrund der nicht stattfindenden Weiterentwicklund seitens des Herstellers serienmäßig einfach zu schach, weil sie zu wenig Hubraum und Leistung haben, und entsprechend wenn erst extremst getunt werden müssten. Im Amateurbereich jedoch, sind immer noch vereinzelt solcher „Exoten“ vertreten.

Der Aufbau der Gespanne mit Einpassung der Motoren, Auspuff- und Kühlanlagen wird von den Teams zum größten Teil selbst durchgeführt. Fertige Wettbewerbsgeräte, neu ab Lager wie z.B. ein Auto zu kaufen ist, gibt es so nicht direkt. Zwar bekommt man beim Neukauf eines Rahmens auf Wunsch gleich den gewünschten Motor (Zwei-/Viertakter), sowie Dämpfersysteme und Räder. Aber in den meisten Fällen haben die Teams viele spezifische Wünsche beim Aufbau eines Gespannes, so der Aufbau eines Gespannes meistens in Eigenregie läuft. Die Firma REIGER SUSPENSIONS genießt aufgrund ihrer langen Erfahrung im Bereich des Motorsports sehr hohes ansehen, und ist z.B. bei den Grand Prix’s der Weltmeisterschaft immer mit einem Servicewagen und Fachpersonal vor Ort, um die Fahrwerks- bzw. Dämpfersysteme zu überprüfen, zu überholen und/oder zu reparieren.

Die Rennen finden meistens in jeder Saison meist auf denselben Rennstrecken statt, ähnlich wie beim Solomotocross. Aber auch mit drei Rädern und 2 Personen (Fahrer+Beifahrer) sind mit den ca. 180kg-200kg schweren Gespannen Sprünge von 20m–25m Metern – zumindest für die Top-Teams – kein Problem. Supercross mit Waschbrettpisten gibt es jedoch nicht. In der Weltmeisterschaft beträgt die Renndistanz 2x 30min+2 Runden (heißt wenn die 30min Zeit abgelaufen sind, und der Führende an Start/Ziel kommt werden ab dann noch 2 Runden gefahren). Ebenso werden in den meisten Ländern (z.B. Deutschland, Niederlande, Belgien, Tschechien, Frankreich) bei den international ausgeschriebenen Veranstaltungen der nationalen Verbände (z.B. DMSB Deutschland/KNMV Niederlande etc.) je 2x 30min.+2Rd. gefahren. Anders ist dies allerdings im Amateurbereich, der sich u.a.auch in einem eigenen Verband IMBA Europaweit selbst organisiert. Die IMBA ist ein Zusammenschluss aller nationalen Amateurverbände. Der Gewinner der IMBA-Meisterschaft ist mehr oder weniger der amtierende Europameister und/oder Amateurmeister. In der IMBA werden pro Veranstaltung bzw. Rennwochenende 3x 20min.+2Rd. gefahren. Der IMBA gehört aus Deutschland der Verband DAMCV an, in dessen Rahmen es auch eine Klasse Seitenwagen gibt, bei der 2x 18min.+2Rd. als Renndistanz zu absolvieren sind. Die Rennen der DAMCV sind vorwiegend im Westdeutschen Raum. Des weitern existiert im Ostdeutschen Raum die LVMX Serie für Amateure bei der in der Gespannklasse 2x 20min.+2Rd. gefahren werden.

Seit 1981 wird offiziell eine Weltmeisterschaft von der FIM ausgetragen. Im Schnitt besteht die WM-Saison aus zwischen 10-14 Grand Prix. Die GP’s finden wie schon gesagt meistens in jedem Jahr in den gleichen Ländern und auf den gelichen Rennstrecken statt. So sind z.B. seit einigen Jahren die Rennstrecken in Kegums (Lettland), Strassbessenbach (Deutschland), Genk (Belgien), Slagelse (Dänemark) und das Finale in Rudersberg (Deutschland) schon ein fester Bestandteil des WM-Kalenders. Die weiteren Rennen finden im jährlichen Wechselrhytmus in Frankreich, Niederlande, Schweiz, England, Estland, Ukraine, Russland, Italien und seit 2009 auch in Polenstatt. In 2010 waren z.B. 14 Grand Prix’s mit insgesamt 28 Wertungsläufen zu bestreiten. In 2011 waren es 13 Grand Prix’s mit insgesamt 26 Wertungsläufen, und in 2012 sind es nach der kurfristige Absage der GP’s in Chernivtsi (Ukraine) und (Polen) noch 11 anstatt der geplanten 13, wobei der GP von Belgien in Genk auch noch nicht sicher ist. Auch in 2012 gibt es Ende Juli Anfang August wieder sogenannte große „Ost-Block-Tour“ mit den GP’s in Kivioli (Estland), danach geht es nach Kamens-Uralsky (Russland) – welches 1.900km östlich von Moskau vor den Toren Jekaterinburgs liegt – und direkt im Anschluss nach Kegums (Lettland). Bei jedem Rennen, egal ob Welt-, Europa- oder nationale Meisterschaft, können sich max. 32 Teams für die finalen Wertungsläufe qualifizieren. Starten dürfen dann aber max. 30 Gespanne, es bleiben die zwei Reserve-Teams, die dann ins Starterfeld nachrücken, falls ein qualifiziertes Team nicht startet/starten kann. Der Sieger eines Wertungslaufes bekommt 25 Pkt. gut geschrieben. Punkte erhalten die ersten 20 Plazierten Teams eines jeden Wertungslaufes. Die weitere Punkteverteilung ist:

1./25P. ; 2./22P. ; 3./20P. ; 4./18P. ; 5./16P. ; 6./15P. ; 7./14P. ; 8./13P. ; 9./12P. ; 10./11P. ; 11./10P. ; 12./9P. ; 13./8P. ; 14./7P. ; 15./6P. ; 16./5P. ; 17./4P. ; 18./3P. ; 19./2P. ; 20./1P.

Bei Punktgleichstand entscheidet die mehrzahl der besseren Plazierungen der einzelnen Wertungsläufe. Seit 2002 gibt es eine sogenannte Team-Europameisterschaft (Team-EM), bei der jede Nation 3 Teams nominiert. Gefahren werden 3 Wertungsläufe mit je 30min.+2Rd. In jedem der 3 Läufe starten immer 2 Teams pro Nation. Die Punktevergabe ist hier genau umgekehrt wie bei der WM, heißt es geht daraum mit allen 3 Teams am Ende so wenig Punkte wie möglich zu haben, bei einem Streichergebnis. Die Team-EM findet in 2012 in Oss (Niederlande) statt. Titelverteidiger bei der Team-EM in 2012 ist das Team Belgien, das bei Team-EM 2011 in Jauer (Deutschland) Sieger wurde. Deutschland gewann seit Einführung der Team-EM 2002, bisher erst einmal den Team-EM Titel, nämlich 2004 beim „Heimspiel“ in Rudersberg (D). (verfasst von Sebastian Aull)