Rennbericht 8.GP @Strassbessenbach (D) – 16.07.17

#frenchkiss

MX-Gespann-WM: Auch auf Hartboden souverän E.Bax/Musset

Etienne Bax/Nicolas Musset dominieren bei Saisonmitte auch auf Bessenbacher Hartboden. Verfolger Giraud/Mucenieks verlieren wegen Motorproblemen weitere wichtige Punkte und haben Rekordweltmeister Daniel Willemsen/R.Bax dicht im Nacken. Deutsche Teams gehen bei Heim-GP unter.

Es ist Halbzeit in der Weltmeisterschaft der MX-Gespanne. Zeit für ein kurzes Resümee der Ereignisse, welche mit Ausblick auf die zweite Saisonhälfte nur schwer eine Prognose auf den kommenden Weltmeister zulässt. Der Abstand von 34 Punkten zwischen dem Führenden und dem drittplatzierten im Gesamtklassement, ist bei noch 8 ausstehenden Grand Prix kein beruhigendes Polster, das es zu verwalten gilt. Jedoch wird der kommenden Weltmeister entweder E.Bax/Musset, Giraud/Mucenieks oder Willemsen/R.Bax heißen. Zu deutlich ist der Leistungsunterschied zum Rest des Feldes. Bei Bergfest, dem 8. Grand Prix im Nordbayern gelegenen Strassbessenbach, haben die aktuell viertplatzierten Briten Brown/Millard bei 51 Punkten Rückstand, relativ wenig Aussichten ihren dritten Podiumsplatz aus dem Vorjahr zu verteidigen. Zur Spitze sind es sogar schon 85 Punkte.

Im Gespann-Motocross, ist es im Grunde wie bei der Tour de France. Diese gewinnt nicht der beste Sprinter, der beste Zeitfahrer und auch nicht immer der beste Bergkletterer. Es gewinnt am Ende der kompletteste und konstanteste Radfahrer, der in den 3 Wochen der Rundfahrt bei mindestens zwei der drei Eigenschaften (Bergklettern und Zeitfahren) absolute Weltklasse ist. Übertragen lässt sich dies bei den MX-Gespannen auf die drei Beschaffenheiten tiefer Sand-, Hart- und Schlamm-/Matschboden. Die Anzahl der 14 GP‘s auf Sand- (5x) und Hartbodenstrecken (9x) ist zwar etwas ungleich, jedoch kann sich – aufgrund schlecht Wetter mit viel Regen – jede GP-Strecke in eine Matsch- oder Schlammhölle verwandeln. Am Ende wird das Duo Weltmeister, dass auf allen Bodenbeschaffenheiten und bei jedem Wetter konstant Topresultate abliefert.

Vor allem ist es die Konstanz, vorwiegend im Materialbereich, die in der Endabrechnung das ein oder andere schlechte Resultat auf ungeliebten Terrains, ausgleichen und den Unterschied machen. Die Causa des Franzosen Valentin Giraud – hoch ambitionierter Meisterschaftsfavorit, allerdings mit einigen deutlichen Schwächen in der Disziplin tiefer Sand – zeigt, wie innerhalb von 4 GP’s mit 8 Wertungsläufen (max. 200Pkt. erreichbar) zusätzlich zum “Sand-Defizit“, technische Probleme (Motor) dazu führen, dass aus 40 Pkt. Vorsprung ein 20 Pkt. Rückstand auf den Gesamtführenden Etienne Bax werden. Und die 40 Pkt. Vorsprung waren im Grunde sogar noch wie ein Bonus, aufgrund der nachträglichen Disqualifizierung durch die FIM von Bax/Musset (Abzug von 50Pkt.) wegen angeblich falschem Sprit beim 4.GP im französischen Chaumont. Die 60 Pkt. Vorsprung auf den ebenfalls wegen angeblich falscher Konzentration der Benzininhaltsstoffe, nachträglich disqualifizierten Rekordweltmeister Daniel Willemsen, ist bis auf 14 Pkt. zusammengeschmolzen.

Und eben jene beiden Niederländer Etienne Bax und Daniel Willemsen sind es, die Giraud aktuell die Grenzen aufzeigen. Der Weltmeister von 2015 E.Bax, hat mit dem französischen Nicolas Musset (bis letzte Saison noch Giraud’s Schmiermaxe), von Anfang an perfekt harmoniert. Inklusive der beiden aberkannten Laufsiege von Chaumont, haben E.Bax/Musset derer 12 von absolvierten 16 für sich entscheiden können, unabhängig vom Untergrund bzw. Beschaffenheit der Strecke. Auch wenn einige Willemsen nach zuletzt weniger erfolgreichen Jahren schon abgeschrieben hatten, ist der Rekordweltmeister jedoch wieder auf Kurs, seinen dann elften Titel zu gewinnen. Und das die schnelle Strecke in Strassbessenbach dem Multichampion aus Lochem liegt, war an den Rundenzeiten von Willemsen/R.Bax bereits am Samstag in Training und Qualifikation zu sehen. Ein ungewohnter Leckerbissen war dann das Warm up am Sonntagmorgen. Im Stile eines Zeittrainings wie vor der Einführung des Qualirennen-Modus, versuchten sich die drei Spitzenreiter E.Bax, Willemsen und Giraud mit einer Bestzeit nach der anderen in den typischen Psychospielchen für die anstehenden Rennen.

Leider eine eher nebensächliche Rolle, spielen beim ersten von 2 Grand Prix auf deutschen Boden, eben jene Vertreter der heimischen Flagge. Wenn auch teilweise unglücklich oder am Ende ganz knapp, blieb für vier der insgesamt sechs deutschen Gespanne nach verpasster Qualifikation nur die Rolle des zuschauen. Die Leistungsdichte der internationalen Konkurrenz bei 42 angereisten Teams, ist aktuell so eng gestaffelt, dass in der Last Chance zwölf von achtzehn Duos innerhalb von nicht mal 3 Sekunden lagen. Zwar sind auch im Seitenwagen-Motorsport 3 Sekunden viel Holz, aber an guten Tagen, an denen alles zusammen passt, ist es gar nicht mal so abwegig und unmöglich – wie Beispielsweise in Formel1 oder DTM – in einer schnellen Runde 1-2 Sekunden rauszuholen. Prokesch/Schmidt, Peter/Leskow, Senz/Maas und Engelbrecht/Nicke hatten solch einen guten Tag aus unterschiedlichen Gründen leider nicht. Ganz im Gegenteil zu Faustmann/Frech und Blank/Klooz, die sich sogar ohne Umwege über die Last Chance als elfte und zwölfte im Qualirace der Gruppe A direkt qualifizierten.

Das die einzigen zwei WM-Punkte, die es an diesem Wochenende in Strassbessenbach ein deutsches Team erringen konnte, auf das Konto von Marcel Faustmann/Max Frech ging, hatten die Genannten selbst am aller wenigsten erwartet. In der WM aufgrund von Verletzungen immer wieder zurückgeworfen, waren dies für das seit dieser Saison neu formierte Team zwar erst die WM-Punkte zwei und drei. Bemerkenswert aber, dass Faustmann/Frech in der int. deutschen Meisterschaft als Gesamtdritte, vor den abschließenden beiden Wertungsläufen beim DM-Finale im Baden-Württembergischen Gerstetten am So. 06.08.2017, sogar noch rein rechnerische Meisterschaftschancen besitzen. Realistisch sind aber wohl eher der fast sichere Podiumsplatz oder gar die Wiederholung der Vizemeisterschaft vom Vorjahr.

Sehr unterschiedlich lief dagegen das Wochenende für die Teams der deutschsprachigen Eidgenossen aus der Schweiz. Andy Bürgler/Martin Betschart mussten auf einer Top Acht-Platzierung mit Motorschaden im ersten Wertungslauf das Gespann leider vorzeitig abstellen. Mit Rang fünf im zweiten Umlauf, bestätigten die beiden Eidgenossen dann ihre zuletzt starke Form vom WM-Lauf in Chaumont, wo sie zweimal den Holeshot für sich entscheiden konnten. Vom Speed her, sind die beiden erfahrenen Illgauer auf jeden Fall in den TopTen mit dabei, jedoch hatte Fahrer Andy Bürgler sowohl mit Stammbeifahrer Martin Betschart, als mit Aushilfsbeifahrer Christian Nilsson (S) beim GP in Chaumont, bereits 5 Ausfälle aufgrund technischer Probleme mit dem Motor zu beklagen. So viele Ausfälle, hatten die beiden sympathischen Schweizer in den letzten drei Jahren zusammen nicht gehabt. Die Ursache hierfür, konnte nun nach langer vergeblicher Suche mit einer fehlerhaften Tankentlüftung gefunden werden. Bürgler beklagte sich immer wieder über einen Leistungseinbruch und/oder Aussetzer beim Gas geben, die teilweise die komplette Maschine lahm legte, oder aus Sicherheitsgründen zur vorzeitigen Aufgabe im jeweiligen Wertungslauf führten. Selbst einer der besten KTM-Motoren-Mechaniker der Schweiz konnte sich das Phänomen lange Zeit nicht erklären, wie der Schweizer Pressekollege Ernst Betschart nun zu berichten wusste. Als aktuell Gesamt siebzehnte mit knapp 60 Punkten Rückstand auf Rang zehn, wird es äußerst schwierig in den verbleibenden 8 GP’s noch unter die ersten zehn zu kommen. Mit der Quote aus fünf von sechs qualifizierten, und neben Bürgler/Betschart auch mit WM-Punkten für die Schweizer Cuche/Cuche (Rang 13+18) und Heinzer/R.Betschart (18+15), war die “Schweizer Garde“ trotz der Nullrunden von Battaglia/Furrer und Döring/Hoffmann im Gegensatz zur deutschen Fraktion, überaus erfolgreich und zufrieden.

Nicht an Start waren die beiden Vorarlberger Weiss/Schneider (A/A), die nach starkem Saisonbeginn ihre Mission – einen Platz unter den besten fünfzehn in der WM, und mindestens einen Podiumsplatz in der int. dt. Meisterschaft – nach dem verehrenden Startcrash beim DM-Lauf in Schopfheim Mitte Mai aufgrund von immer noch nicht vollständig auskurierter Verletzung von Fahrer Benny Weiss begraben mussten. Die Hoffnungen auf eine Rückkehr in den Rennbetrieb, liegen nun auf dem Wochenende des 29./30.07.17. Denn dann folgt mit dem 9.WM-Lauf im österreichischen Möggers (Nähe Bregenz am Bodensee) der Heim-GP der beiden Nachwuchstalente. Die Clubverantwortlichen rechnen an besagtem Wochenende mit über 15.000 Zuschauern. Ganz (Motocross) Österreich, ist heiß auf den ersten Seitenwagen WM-Lauf in Österreich in diesem Jahrhundert. Selbst mit kurzer Recherche, waren Datum und Ort des letzten offiziellen WM-Laufs in Österreich nicht direkt zu ermitteln.

Podiumsbild: Bildermacher – Jens Körner

Resultate Motocross-Gespann-WM Strassbessenbach (D)

1. Lauf:

  1. E.Bax/Musset (NL/F), WSP-Zabel.
  2. Giraud/Mucenieks (F/LV), WHT-Husqvarna.
  3. Willemsen/R.Bax (NL), WSP-Zabel.
  4. Hermans/v.Gaalen (NL), VMC-Zabel.
  5. Cermak/Cermak (CZ), WSP-MEGA.
  6. Brown/Millard (GB), WSP-Zabel.
  7. Dierckens/Rostingt (B/F), WSP-Zabel.
  8. Vanluchene/Kurpnieks (B/LV), VMC-Zabel.
  9. J.Daiders/Stupelis (LV), VMC-Zabel.
  10. Clohse/Haller (B/D), VMC-Zabel.
  11. Varik/Miil (EST), AYR-KTM.
  12. Sanders/Soenens (B), WSP-Zabel.
  13. Cuche/Cuche(CH), VMC-KTM.
  14. Santermans/L.Daiders (B/LV), WSP-Zabel.
  15. Wilkinson/Chamberlain (GB), WSP-MEGA.
  16. J.Keuben/Rietman (NL),VMC-Zabel.
  17. Janssens/Janssens (B), VMC-Zabel.
  18. Heinzer/R.Betschart (CH), VMC-KTM.
  19. Auvray/Chopin (F), WSP-Zabel.
  20. Kunnas/Kunnas (FIN), WSP-KTM.

2. Lauf:

  1. E.Bax/Musset.
  2. Willemsen/R.Bax
  3. Cermak/Cermak
  4. Brown/Millard
  5. Bürgler/M.Betschart
  6. Vanluchene/Kurpnieks
  7. Giraud/Mucenieks
  8. J.Daiders/Stupelis
  9. Hermans/v.Gaalen
  10. Sanders/Soenens
  11. Varik/Miil
  12. Auvray/Chopin
  13. Wilkinson/Chamberlain
  14. Clohse/Haller
  15. Heinzer/R.Betschart
  16. Cuche/Cuche
  17. Janssens/Janssens
  18. Vejchoda/Zatloukal
  19. Faustmann/Frech
  20. Hroch/Hroch

WM-Stand nach 16 von 28 Wertungsläufen:

  1. E.Bax/Musset 324 Punkte
  2. Giraud/Mucenieks 304
  3. Willemsen/R.Bax 290
  4. Brown/Millard 239
  5. Vanluchene/Kurpnieks 227
  6. Hermans/v.Gaalen 212
  7. J.Daiders/Stupelis 210
  8. Cermak/Cermak 195
  9. Wilkinson/Chamberlain 162
  10. Veldman/v.d.Bogaart/Beunk 132

14. Clohse/Haller 110
17. Bürgler/Betschart/Nilsson 70
22. Heinzer/R.Betschart 32
23. Senz/Maas 23
27. Weiss/Schneider 18
31. Blank/Klooz 13
46. Faustmann/Frech 3.

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