Mini-WM in Teutschenthal / Regen lässt Rennen zur Rutschpartie werden

Zum 5. Lauf zur int. Deutschen Meisterschaft der Klasse Seitenwagen Motocross, fanden sich am heutigen Sonntag insgesamt 33 Teams im Talkessel von Teutschenthal ein. Der Begriff internationale Meisterschaft trifft

es wie bereits in Schopfheim vor 3 Wochen mehr denn je zu, denn auch in Teutschenthal glich die Veranstaltung eher einer Mini-WM. Die ersten 7 (!!!) der momentanen Weltmeisterschaftswertung waren am Start, dazu noch die weiteren Topteams aus dem deutschsprachigen Raum. Erst am vergangenen Donnerstag meldete noch der amtierende Weltmeister #1 Daniel Willemsen (NL)/Kenny van Gaalen (NL) für das Rennen nach. Nach der Hitzeschlacht beim WM-Lauf in Reutlingen vor 2 Wochen, hatte das Wetter diesmal wieder leichten Nieselregen und nur knapp 10°C anzubieten. Der Umbau der Strecke im Talkessel fand nicht bei allen Fahrer Anklang. Man merkt doch recht deutlich, dass die Veranstalter den Streckenumbau hinsichtlich des WM-Finales der MX1/MX2 im September ausgelegt haben.

Viele Sprungkombinationen und sogar ein Waschbrett auf dem harten Untergrund verlangen eine gute Kondition und volle Konzentration bis zum Ende. Bereits in der Quali zeigte sich dies, als #1 Willemsen/van Gaalen mit den langsamen #77 Abramov/Abramov nach einem Sprung kollidierte und mit leichten Beschädigungen am Gespann in die Box musste. Und auch bis Willemsen wieder auf die Strecke zurück kehrte waren gut 8min vergangen. Aber wer Daniel Willemsen kennt, der weiß, dass der 9-fache Weltmeister sich von so etwas nicht aus der Bahn werfen lässt, und feuerte dann in seiner aller letzten Runde – Willemsen/van Gaalen waren 12 Sekunden von Ablauf der Zeit in die letzte schnelle Runde gestartet – die absolute Bestzeit vor #5 Etienne Bax (NL)/Kaspars Stupelis (LV) raus. Eine schlechte Nachricht gab es leider für das Team #50 Martin Walter (D)/Andre Saam (D), die bereits im Freien Training aufgeben mussten. Beifahrer Andre Saam hatte sich bei der Landung nach einem Bergaufsprung das Knie verdreht und musste von Helfern gestützt zum Rennarzt gebracht werden. Starke Schmerzen im Knie mit Verdacht auf Meniskusschaden oder Bänderriss verhinderte somit einen Start der beiden sympathischen Crailsheimern. Eine genaue Untersuchung soll morgen Montag erfolgen. Wir wünschen auf diesem Wege Andre Saam eine schnelle Genesung. Martin Walter war danach sehr niedergeschlagen. „So langsam verliert man da die Lust, wenn dauernd etwas passiert. In den letzten zwei Jahren klebt uns echt die Seuche am Bein!“ Auf die Frage mit wem er bei einer schlimmerein Verletzung und dem vermutlichen Saisonaus von Andre Saam dann die beiden restlichen DM-Läufe und evtl. noch dem WM-Lauf in Reutlingen bestreitet, ließ MArtin Walter anklingen, dass er Meinrad Schelbert fragen wird. Der immer stärker werdende Nieselregen sorgte dafür, dass es zum Start zum 1. Wertungslauf auf der Strecke ordentlich rutschig war.

1. Lauf

Den Start im 1. Wertungslauf gewannen #1 Willemsen/van Gaalen und fuhren anfangs ein kontrolliertes Rennen von der Spitze weg. Dahinter folgten #5 Bax/Stupelis und die beiden in der DM Führenden #2 Janis und Lauris Daiders (LV). Lediglich #6 Ben Adriaenssen (B)/Sven Verbrugge (B) und #3 Jan Hendrickx (B)/Tim Smeuninx (B) konnten der Spitze folgen. Zwar verlief der Start ohne Unfall, doch durch die sehr tiefe Strecke kam es im hinteren Feld dann bei der ersten Bergauffahrt zum Zielsprung zur “Verstopfung“ und so kämpften gut und gerne 8-10 Teams vergeblich um den Anschluss an das Mittelfeld. Hinter der Spitzengruppe hatte sich dann mit #8 Marko Happich (D)/Martin Betschart (CH) gefolgt von #14 Andy Bürgler (CH)/Raphael Markert (D) und den Holländischen Brüder #12 Jan und Jeroen Visscher, sowie #37 Thomas Morch (D)/Stefan Nicke (D) eine Verfolgergruppe gebildet, die um die Plätze 6 bis 9 kämpften. Nachdem #14 Bürgler/Markert nach wenigen Runden mit einem sehenswerten Überholmanöver an #8 Happich/Betschart vorbei gehen konnten, erbten die #12 Visscher Brüder Rang sechs und #37 Morch/Nicke einen sehr starken Rang sieben kampflos einen Platz, denn Marko Happich würgte im ersten Lauf seinen Motor gleich zwei mal ab und fiel so bis auf Rang acht zurück. Aber auch #1 Willemsen/van Gaalen unterliefen gleich zwei Missgeschicke. Erst leistete er sich in Führung liegend einen Verbremser und fiel bis auf Rang vier zurück. Zwar konnte Daniel Willemsen dann die #2 Daiders Brüder noch mal überholen und war schon in Griffweite von #3 Jan Hendrickx/Smeuninx doch dann in der letzten Runde warf Willemsen sein Gespann wortwörtlich weg. In einer langgezogenen Rechtskurve kam er beim Versuch Jan Hendrickx zu überholen zu weit nach links außen in den aufgeworfenen tiefen Matsch und überschlug sich. Nach der kurzen Schrecksekunde beendeten die beiden Holländer das Rennen noch auf Platz zehn. Bleibt noch zu erwähnen, dass der in dieser Saison erstmals in der int. DM angetretene #222 Joris Hendrickx (B) mit Beifahrer Kaspars Liepins (LV) nach einem schlechten Start nicht über Rang neun hinaus kam. Eigentlich zu wenig für den Weltmeister von 2010. Richtig heftig wird es im zweiten Wertungslauf werden, denn der Regen wurde von Minute zu Minute stärker und die Strecke noch rutschiger und schwer zu fahren

2. Lauf

Wie erwartet wurde der zweite Lauf bei anhaltendem Regen zu einer echten Herausforderung. Zwar gingen alle 30 Teams an den Start, die Zielflagge sah aber gerade einmal etwas mehr als die Hälfte. Alleine für 7 (!!!) Teams war das Rennen bereits in der ersten Runde beendet. Wie beites im 1. Wertungslauf gab es gleich in der zweiten Kurve (Senke vor Bergaufpassage zum Zielsprung) eine Kollision mit ca. 5-6 Gespannen. Unter den Ausfällen waren neben einigen Teams aus dem hinteren Feld aber auch z.B. #5 Bax/Stupelis, die mit Motorproblemen aufgeben mussten. #37 Morch/Nicke waren gleich am Start in diese Kollision verwickelt und beim Versuch aus dem tiefen Matsch wieder weiter zu fahren, ging die Kupplung über den Jordan, so dass auch sie in Runde eins bereits ausfielen. #34 Marcel Faustmann (D)/Konstantin Koch (D), die ebenso in der Kollision verwickelt waren, nahmen das Rennen als Letzte mit fast einer Runde Rückstand auf, kämpften sich aber noch auf einen tollen 14. Rang. Selbst ein Topteam wie #1 Willemsen/van Gaalen ist bei solchen widrigen Bedingungen nicht immer nur spitze. Wiederum mussten die beiden Holländer nach einem Sturz der Spitzengruppe hinterher fahren und landeten am Ende auf einem aus ihrer Sicht enttäuschenden zehnten Rang, und wurden am Ende sogar von den ersten drei überrundet (!!!).

Fraglich ob es aufgrund der drei doch recht heftigen Stürze heute, verletzungsbedingte Probleme bei #1 Willemsen/van Gaalen gab oder ob es einfach nicht ihr Tag war. Leider war keiner vom Team zu einer Stellungnahme bereit. Sieger wurden #6 Adriaenssen/Verbrugge die nach dem Ausfall von #5 Bax/Stupelis die Führung sicher bis ins Ziel verwalteten, und am Ende auch Tagessieger wurden. Ein ganz starkes Rennen fuhren dagegen #14 Bürgler/Markert, die sich von Rang 5 nach der ersten Runde noch bis auf Rang 2 vorkämpften, und am Ende des Rennens bis zu #6 Adriaenssen/Verbrugge aufgeschlossen hatten. Mit dieser starken Leistung heute wurden #14 Bürgler/Markert am Ende mit Rang drei in der Tageswertung belohnt.

#2 Daiders/Daiders auf Rang vier hinter #3 Jan Hendrickx/Smeuninx und #8 Happich/Betschart komplettierten damit dann die Top 5. Wie bereits im ersten Lauf kamen #222 Joris Hendrickx/Liepins mit der Strecke und den Bedingungen gar nicht zurecht. Auch der Belgier hatte sich sicherlich mehr vorgenommen, kam aber auch im zweiten Wertungslauf nicht über Rang sieben hinaus. Man könnte fast sagen, Generalprobe für Kramolin (CZ) nächste Woche misslungen. Durch den vielen Matsch und Schlamm war es sehr schwierig die Teams überhaupt zu identifizieren. Gerade für die B-Lizenz hieß es heute alles zu geben und zumindest ins Ziel zu kommen. #83 Tobias Garhammer (D)/Ronny Benning (D) schlugen sich dabei am besten und gewannen die Pokalwertung. Weiter geht es nun nächste Woche in Kramolin (CZ) mit dem 4. WM-Lauf. Der nächste DM-Lauf steigt dann am 22.07. in Strassbessenbach.