15. GP @Rudersberg (D) 19./20.09.15 – Weiteres „Rudersberg-Drama“ für Jan Hendrickx

40 Teams wollten diesjährigen GP-Finale in Rudersberg dabei sein, darunter auch unsere Sidecarcross-Freunde vom fünften Kontinent Australien. Nach den tagelangen Regenfällen unter der Woche, hatte der Wettergott doch erbarmen und bescherte dem MSC Wieslaufthal zwei teilweise sonnige aber vor allem trockene Tage.

Die Geschenisse der Qualifikation-Rennen sind im Grunde schnell erzählt, da es keine wirklich besonderen Vorkommnisse gab. Die 40 Teams schenkten sich in den Qualiraces zwar nichts und kämpften immer fair um die direkte Qualifikation. In der Gruppe A zeigten #3 Stuart Brown/Josh Chamberlain (GB/GB), dass die Rudersberger Strecke für Linksboote doch mehr Vorteile bietet, denn sie gewannen das Qualirace vor den frischen Weltmeistern #2 Etienne Bax/Kaspars Stupelis (NL/LV), die einfach kein Mittel gegen die starken Engländer fanden. In der Gruppe B fuhren #4 Jan Hendrickx/Ben van den Bogaart (B/NL) einen Start/Ziel Sieg ein. Mit #16 Andy Bürgler/Martin Betschart (CH/CH), #10 Daniel und Joe Millard (GB) und #11 Brett Wilkinson/Steve Kirwin (GB/GB) kamen ebenfalls drei Linksboote dahinter auf die Plätze. Etwas enttäuschend #111 Daniel Willemsen/Robbie Bax (NL/NL), die sich nach schlechtem Start von hinteren Mittelfeld nach vorne arbeiten mussten, aber nicht über Rang sieben hinaus kamen.

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#88 Gregg und Brian Anthony (Australien)

Dagegen lief es für die deutschen Teams, sowie die weiteren deutschsprachigen eher nicht so gut. Einzig #43 Benny Weiss/Patrick Schneider (A/A) und #42 Tobias Blank/Michael Klooz (D/D) konnten sich direkt qualifizieren. Für #24 Martin Walter (D), der mit Christian Nilsson (S) erstmalig zusammen fuhr, hieß es nach Rang 13. den Umweg über die Last Chance zu nehmen. Nach einem Sturz im freien Training mussten #56 Tobias Garhammer/Bruno Kälin (D/CH) mit Schmerzen im Qualirace vorzeitig aufgeben. Als erstes Reserveteam klappte dann zumindest noch die Qualifikation. Dagegen konnten #38 Marcel Faustmann/Luc Rostingt (D/F), #911 Adrian Peter/Pascal Knübben (D/D), #58 Joachim und Philipp Reimann (D) und auch die Australier #88 Gregg und Brian Anthony die große Party im Festzelt genießen, da sie sich alle nicht qualifizieren konnten.

 

1. Wertungslauf  –  very Britisch an der Spitze

Hole Britannia. Mit einem Raketenstart gingen #11 Wilkinson/Kirwin in Führung und konnten diese auch bis zur siebten Runde verteidigen. Der Kampf um die Spitze war hart umkämpft. #2 E.Bax/Stupelis kamen nach schwachem Start von Platz sieben nach vorne und übernahmen in der neunten Runde dann auch die Spitze, nachdem sie #4 Hendrickx/v.d.Bogaart (am Ende zweite), #3 Brown/J.Chamberlain (dritte) und #5 Giraud/Mucenieks (vierte) überholt hatten. Mit Rang fünf konnten #11 Wilkinson/Kirwin ihr bestes Laufergebnis in diesem Jahr einfahren. Die beiden einzigen deutschen Teams konnten ebenfalls Punkte einfahren. #24 Walter/Nilsson wurden bei ihrem gemeinsamen Renndebüt 15., während #42 Blank/Klooz als 20. noch einen WM-Punkt erkämpften, nachdem sie in den letzten Runde alle Angriffe der Schwedischen Brüder #6 Philip und Simon Stenborg abgewährt hatten.

Im Kampf um die Vizeweltmeisterschaft hatten #4 Hendrickx/v.d.Bogaart nun vor dem letzten Wertungslauf der Saison sieben Punkte Vorsprung auf #5 Giraud/Mucenieks. Diesen galt es zu verteidigen, oder würde Jan Hendrickx wieder ein „Rudersberg-Drama“ erleben? In 2014 wo er im aller letzten Lauf den sicher geglaubten 3. Gesamtrang an #3 Brown/J.Chamberlain – oder gar wie 2009 den WM-Titel in letzter Sekunde an seinen Cousin Joris Hendrickx – verlor. Bei solchen Erlebnissen, spielt dann oftmal der Kopf eine ganz entscheidende Rolle, wenn es wiederum am gleichen Ort zur gleichen Situation kommt, wo es im letzten Lauf um alles geht.

 

2. Wertungslauf  –  #5 Giraud Punktgleich zum Vizetitel

Alle Augen gingen nun auf das Duell um die Vizeweltmeisterschaft. Sämtliche Rechenspielchen wurden zwischen den Läufen ausgepackt. Aber im Grunde konnte die Devise für beide Teams nur heißen: voll auf Sieg zu fahren. Der HoleShot ging wiederum nach England, #3 Brown/J.Chamberlain bogen vor #11 Wilkinson/Kirwin in die erste Kurve. Erst auf den Rängen fünf und sechs kamen #5 Giraud/Mucenieks und #4 Hendrickx/v.d.Bogaart aus der ersten Runde zurück. Von Rang vier aus setzten sich in Runde drei dann #2 E.Bax/Stupelis an die Spitze und verschafften sich einen Vorpsrung von gut 5 Sekunden. Wie entfesselt fuhr der Franzose #5 Valentin Giraud die schnellsten Rundenzeiten und hatte bis zur neunten Runde die zweite Position erreicht, während sein Kontrahent #4 Hendrickx das Tempo nicht mitgehen konnte und auf Rang vier liegend nicht weiter nach vorne kam. Für diesen Platz gab es 18 Punkte, was bei sieben Punkten Vorsprung und gleichzeitigem Platz zwei für Giraud zum Vizetitel jedoch reichen würde.

In der zehnten Runde unterlief #2 E.Bax/Stupelis allerdings ein kleiner Fahrfehler, bei dem sich ein großes Stück der Streckenbegrenzung in Form von grünen Sackband im Hinterrad und der Hinterradbremse verfing. #5 Giraud/Mucenieks übernahmen in diesem Moment die Führung und wären doch noch neue Vizeweltmeister. Zwar konnte Bax nochmal aufschließen, ohne funktionierende Hinterradbremse hatte er jedeoch keine Chance Giraud zu überholen. So kam es letztendlich zu der knappsten Entscheidung der letzten 15 Jahre um den Vizeweltmeistertitel. Denn mit je 579 Punkten kam es zum Gleichstand in der Endabrechnung. Da #5 Giraud aber im Verlauf der Saison mehr Laufsiege (sieben) einfahren konnte – #4 Hendrickx dagegen nur einen – kam es doch wieder zum bereits angesprochenen „Rudersberg-Drama“ von Jan Hendrickx, in letzter Sekunde wieder verloren zu haben. Diesmal den Vizemeistertitel.

 

Martin Walter bester Deutscher im Gesamtklassement

Bei diesem spannenden Zweikampf um den Vizemeistertitel ging dann leider fast unter, dass #24 Walter/Nilsson ein sensationelles Rennen fuhren und mit Rang zehn belohnt wurden. Dieses Ergebnis spiegelt mal wieder die Klasse von Martin Walter dar, ohne wirkliches Training mit neuem Beifahrer mal so eben bei einem WM-Rennen eine TopTen-Plazierung zu erzielen. Bei nur vier GP-Teilnahmen (von 15), und sogar noch drei Nullrunden in acht Wertungsläufen am Ende im Gesamtklassement auf Rang 26. zu stehen, ist mehr als aller Ehren wert. Was wäre wohl alles möglich gewesen, wenn #24 Walter/Vonbun die komplette Weltmeisterschaft hätten fahren können?

Aber auch #42 Blank/Klooz punkteten im 2. Lauf als 17., und konnten damit eine tollte Serie hinlegen. In allen sechs Wertungsläufen kamen sie in die Punkte. Im Gesamtklassement bedeutet dies nochmal einen großen Sprung nach vorne. Im kommenden Jahr wird dann die Startnummer 37 das Dekor am Gespann zieren. Weniger gut erging es #43 Weiss/Schneider, die nach zwei unfreiwilligen Ausflügen neben die Strecke am Ende als Letzte die Zielflagge sahen und keine Punkte holen konnten. Aber am Ende überwog bei den symphatischen Vorarlbergern doch die Freude über den 22. Rang in der Endabrechnung. Für die kommenden Saison soll es dann den nächsten Schritt in die TopTwenty der Weltelite werden.

Für die amtierenden deutschen Vizemeister #16 Bürgler/Betschart war mit zwei siebten Rängen ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt worden, mit dem sie am Ende im Gesamtklassement nur um drei Punkte am siebten Rang vorbeischrammten und somit Gesamtrang 8 einnehmen. Bleibt zu hoffen, dass es nach dem offiziellen Ausstieg von Top-Mechaniker Roger Dober im nächsten Jahr mit dem Schweizer Team weiter geht. Die Sidecarcross-Szene würde es sich in jedem Fall wünschen.

 

Wie gehts weiter?

Bruno Kälin (CH)

Bruno Kälin (CH)

Für die im 1. Lauf noch als 1. Reserveteam zum zuschauen verdammten #56 Garhammer/Kälin, hieß es im 2. Lauf dann aber ready for race. Doch bereits in der ersten Runde blieben sie im Duell mit anderen Teams stecken, und mussten mit knapp einer halben Runde Rückstand dem Feld hinterher rennen. Mehr als Rang 22 und damit keine Punkte war unter diesem Umständen, und den Schmerzen vom morgendlichen Sturz einfach nicht machbar. Somit geht für das Deutsch/Schweizer Gespann eine über weite Strecken unglückliche Saison mit vielen unverschuldeten Unfällen und Stürzen – mit mehreren schmerzhaften Plessuren von Fahrer und Beifahrer – auf Gesamtrang 34 zu Ende. Gerne würde man nächses Jahr wieder zusammen fahren, jedoch bleibt die endgültige Entscheidung der FIM zum Thema Alterbeschränkung abzuwarten. Für den 50jährigen physisch und mental absolut top fitten Bruno Kälin, würde eine eventuelle Lockerung oder gar die Revidierung dieser Alterbeschränkungsregel, das vorzeitige internationale Karriereende bedeuten. Für den symphatischen Schweizer eine sehr harte und nur schwer vorstellbare Geschichte.

 

Wir sagen Danke

Wir möchten uns an dieser Stelle besonders bei Thomas Popp von www.motorsport-zeitnahme.de bedanken. Er hat uns das Livetiming des Rennens erst ermöglicht! Heavy Tool, die wieder für unser Actionvideo den Song eingespielt hat! Sowie an alle Mitglieder, Helfer, Organisatoren und Beteiligte des MSC-Wieslauftal, die für ein Top Rennwochenende alles gegeben haben!

 

Alles rund um den GP in Rudersberg:

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