4. GP @Schopfheim (D) – 16.05.15 / Mit Ach und Krach dabei…

FlyerWMInseratSchopfheimMit großen Erwartungen ging es für die Weltelite der Seitenwagen-Motocrosser nun am vergangenen Wochenende zum ersten von insgesamt drei WM-Läufen in Deutschland ins beschauliche Schopfheim (Dreiländereck). In vielen Arbeitsstunden hatte der MSC Schopfheim in den letzten Wochen und Monaten die Strecke „An der Dossenbacher Landstraße“ aus- und umgebaut, damit zum diesjährigen 90. Vereinsjubiläum die allerbesten Bedingungen für einen Sidecarcross Grand Prix gegeben sein würden. Und auch die 57 Nennungen der Sidecar-Teams ließen eine gewisse Vorfreude und Erwartung bei allen Verantwortlichen und Helfern des MSC Schopfheim aufkommen. Hatte man doch sein bestmögliches getan, einzig der Wettergott Petrus musste nun nur noch seinen Beitrag leisten und zumindest für ein trockenes Wetter sorgen.

Wer muss nachlegen, wer soll lernen

Ein wenig Enttäuschend war dann am Samstag morgen – nach Jury-Meeting und der Einteilung der Gruppen A+B für die anstehenden Trainings und Qualifikationsrennen – dass am Ende nur 43 Teams den Weg nach Schopfheim gefunden hatten. Aus deutscher Sicht hätten es durchaus mehr als die sieben anwesenden Teams sein können. Allerdings konnten aufgrund von Verletzungen einige deutschen Teams wie z.B. #39 Thomas Morch/Robert Godau oder #38 Marcel Faustmann/Ronny Benning (Sturz beim letzten DM-Lauf in Geisleden) nicht an den Start gehen. Dafür gaben die amtierenden deutschen Vizemeister #24 Martin Walter/Johannes Vonbun ihr diesjähriges WM-Debüt. Allerdings wird es für das momentan stärkste deutsche Gespann-Team bei einigen wenigen Teilnahmen an ausgewählten WM-Rennen bleiben. Der Fokus der Deutsch/Österreichischen Kombination liegt auf der int. deutschen Meisterschaft. Nach der Hälfte der insgesamt sechs Rennwochenenden, liegt das Team #24 Walter/Vonbun aktuell punktgleich mit den Weltmeistern von 2009 #83 Joris Hendrickx/Kaspars Liepins (B/LV) hinter den letzt jährigen deutschen Meistern #16 Andy Bürgler/Martin Betschart (CH/CH). Mit ihrer derzeitigen Form, sollte eine TopTen Platzierung in beiden Läufen durchaus im Bereich des möglichen liegen.

Nach der – doch ein wenig überraschend – verpassten Qualifikation beim WM-Auftakt in Frauenfeld (CH) am Ostermontag, wollten #42 Tobias Blank/Michael Klooz diesmal nicht nur die Qualifikation für die beiden Wertungsläufe erreichen, sondern hatten sich zum Ziel gesetzt auch den ein oder anderen WM-Punkt zu holen. Einen solchen Punkt auf dem Konto haben sich #73 Axel Richter/Stefan Nicke schon im 1. Lauf in Frauenfeld erarbeitet. Nach zuletzt ansteigender Form in der int. Deutschen Meisterschaft mit konstanten Top Fünf Ergebnissen, sind trotz der starken Konkurrenz ein Platz unter den ersten 20 eine machbare Aufgabe.

#56 Garhammer/Kälin  vs.  #73 Richter/Nicke

#56 Garhammer/Kälin vs. #73 Richter/Nicke

 Erheblich hinter den – vor allem eigenen – Erwartungen zurück, liegt das vor dieser Saison neu formierte Team #56 Tobias Garhammer/Bruno Kälin. Mindestens eine Top Fünf Platzierung in der int. deutschen Meisterschaft, sowie unter den ersten 25 in der Weltmeisterschaft. Das waren die ausgegeben Ziele des Polizisten Tobias Garhammer und seines erfahrenen und ehrgeizigen Schweizer Beifahrers Bruno Kälin. Nach Platz 15 im 1. Lauf in Frauenfeld, folgten allerdings drei Ausfälle im 2. Lauf, sowie in beiden Läufen beim 2. WM-Rennen in Castelnau de Levis (Frankreich). Aufgrund von mehreren kleineren Blessuren sowohl bei Fahrer als auch Beifahrer, kommt das Team nur langsam in Fahrt. Ganz schwer wird es für #71 Markus Prokesch/Philipp Hildebrand. Eine Qualifikation für die Wertungsläufe wäre für den Geisledener Prokesch eine echte Sensation. Schon seit einigen Jahre versucht Markus Prokesch mit verschiedenen Beifahrern sich endlich mal für einen WM-Lauf zu qualifizieren. Jedoch klappte dies mal ohne jegliche Chance, mal nur ganz knapp bisher leider nicht. Zum ersten mal “WM-Luft“ schnupperten in Schopfheim die letzt jährigen Sieger des deutschen Motocross-Pokal (B-Lizenz) #911 Adrian Peter/Robin Ohl, die ihr gemeinsames WM-Debüt gaben. Für eine Qualifikation würde es wahrscheinlich nicht reichen, aber mit 18 und 20 Jahren haben die beiden Jungs die Zukunft noch vor sich.

Bleiben als siebtes deutsches Team die derzeit absoluten Newcomer und die große Überraschung dieser Saison #169 Michael und Max Frech. Die beiden Brüder aus Rheinfelden genießen an diesem Wochenende quasi Heimrecht, und können die Schopfheimer Strecke als ihr Spielzimmer bezeichnen. Mit den sieben bei den ersten beiden WM-Rennen in Frauenfeld und Castelnau de Levis geholten WM-Punkten, sind die Gebrüder Frech aktuell das bestplatzierte deutsche Gespann-Team in der Weltmeisterschafts-Rangliste! Auch in der int. deutschen Meisterschaft liegen sie bei Halbzeit der Rennen auf dem zehnten Rang, mussten allerdings auch schon zwei Ausfälle wegen streikender Technik hinnehmen. Bleibt zu hoffen, dass die Karriere des Bruderpaares in der Zukunft vielleicht ähnlich erfolgreich verlaufen wird, wie z.B. die beiden Weinmanns um die Jahrtausendwende.

Sa. 16.05.15 – Qualifikation trennt die Spreu vom Weizen

Wie dicht Freud und Leid beieinander liegen, zeigte sich in den beiden Qualifikationsrennen. Unglücklich aus deutscher Sicht war alleine schon die Gruppeneinteilung – welche nach dem aktuellen WM-Stand erfolgt – denn gleich fünf der sieben deutschen Teams fanden sich in Gruppe A wieder. Mit einem blitzsauberen Start reihten sich #24 Walter/Vonbun als zweite hinter #2 Etienne Bax/Kaspars Stupelis (NL/LV) ein, und sicherten sich nach 20 Minuten + 2 Runden mit Rang vier einen Startplatz in der ersten Reihe. Einzig #56 Garhammer/Kälin konnten sich in der Gruppe A als zwölfte gerade noch so direkt qualifizieren, während die übrigen deutschen Teams #42 Blank/Klooz, #73 Richter/Nicke (Ausfall nach Defekt an Hinterrad) und #911 Peter/Ohl im sogenannten “Last Chance Race“ mit einer schnellen Rundenzeit einen der letzten sechs Startplätze zu ergattern. Unseren deutschsprachigen Nachbarn aus Österreich #43 Benjamin Weiss/Patrick Schneider blieb dies als gute Neuntplazierte somit erspart.

In der Gruppe B – die mit Blick auf die Rundenzeiten aus Training und Pre-Quali als die schnellere, stärkere Gruppe einzustufen war – sah es lange Zeit nach einer kleinen Sensation durch die Lokalmatadoren #169 Frech/Frech aus, die nach einem fulminanten Start bis zur achten Runde auf Rang vier lagen. Leider ging der Versuch der dahinter fahrenden #27 Andreas Clohse/Christian Verhagen (B/NL) zu überholen gründlich schief. Viel zu ungestüm fuhr der junge Belgier in das Gespann der beiden Deutschen, mit fatalen Folgen. Fahrer Michael Frech zog sich bei diesem Crash eine schwere Oberschenkelprellung zu, am Gespann galt es ebenfalls “Erste Hilfe“ zu leisten. Erwartungsgemäß gingen #71 Prokesch/Hildebrand am Ende des Feldes leer aus. Auch für die amtierenden deutschen Meister #16 Bürgler/Betschart war die direkte Qualifikation ein hartes Stück Arbeit. Die beiden Schweizer konnten sich von Platz 16 in den letzten vier Runden noch bis auf Rang zehn vorarbeiten.

Alles oder Nichts im Last Chance

Um 17.15h hieß es dann alle 19 nicht qualifizierten Teams: alle Kraftreserven noch mal mobilisieren um in den 30min Zeittraining eine Rundenzeit auf die Uhr zu bringen, die für einen der ersten sechs Plätze für die direkte Qualifikation oder zumindest als siebte oder achte noch ausreicht als Reserveteam eine kleine Chance zu haben nachrücken zu können. Erwartungsgemäß fuhren die Tschechen #8 Rozehnal/Rozehnal, sowie deren Landmänner #13 Cerny/Musil die ersten Plätze ein, vor #12 Gert van Werven/Peter Beunk (NL/NL) als dritte. Am Ende war der Jubel in deutschen Lager groß, denn mit Rang vier und fünf konnten sich die Lokalmatadoren #169 Frech/Frech und #73 Richter/Nicke durchsetzen und sich für die beiden Wertungsläufe am Sonntag direkt qualifizieren. Ein wenig enttäuschend blieb am Ende des Tages nur die Feststellung, dass beim WM-Lauf im Dreiländereck 8 von insgesamt 14 (!!!) anwesenden Teams aus Deutschland und der Schweiz vorzeitig die Heimreise antreten durften. Im Gegensatz dazu kommt aus den Nachbarländern Belgien und der Niederlande kontinuierlich Nachwuchs nach oben, der dann innerhalb kürzester Zeit zu den etablierten Teams aufschließt. Von Leuten wie Koen Hermans (NL), Davy Sanders (B) oder Marvin Vanluchene (B) wird man in der Zukunft sicher noch einiges zu lesen sein.

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