Spannung und Dramatik pur in Genk (Belgien) / schwarzes Wochenende für Deutsche Teams

Der Autor, welcher das Drehbuch zum 6. Grand Prix der Sidecarcross Weltmeisterschaft am 03./04.07. 10 in Genk (Belgien) verfasst hätte, würde dafür wahrscheinlich 5 Oscars oder mehr erhalten. Nach tropischen 38°C im Schatten, die noch am Freitag Abend um 18 herrschten, kühlte es Samstagund Sonntag glücklicherweise auf immernoch sommerliche 25°C-28°C ab. Sowohl für die Teams als auch die Zuschauer also perfekte äussere Bedingungen.

Und bereits am Samstag bei den Qualiraces wurde deutlich, dass jedes der 46 angetretenen Teams um einen der 30. Startplätze für die Wertungsläufe bis zum Schluss hart kämpfen musste. Unter anderem mussten z.B. #2 Jan Hendrickx (B) – Tim Smeuninx (B) nach Unfall, #7 Maris Rupeiks (LV) – Kaspars Stupelis (LV) sowie #3 Janis Daiders (LV) – Lauris Daiders (LV) beide nach Motorschäden ebenso in die Last Chance wie die Brüder #38 Carlo und Tom van Duijnhoven (NL) und #14 Thomas Morch (D) – Robbie Bax (NL), die nach Startunfall einen Bruch der Seitenwagenachse erlitten und somit ausfielen. Was dann im Last Chance folgte war nur eines der dramatischen Ereignisse dieses Wochenendes. Denn trotz vollem Einsatz lagen Thomas Morch (D) – Bobbie Bax (NL) bis kurz vor Schluss der 30min auf Rang 8, was bedeutet hätte, zweites Reserve Team für den Sonntag zu sein. Und als die Uhr nur noch 00:02 Minuten Trainingszeit anzeigte, fuhren die beiden in die letzte fliegende Runde. Und nutzen die freie Fahrt um sich am Ende mit sage und schreibe 3 Hundertstel Vorsprung noch auf Rang 6 schoben und sich damit als 30. Team für die beiden Wertungsläufe zu qualifizieren. Ebenso erfreulich aus Deutscher Sicht war, dass sich neben #4 Marco Happich (D) – Martin Betschart (CH) auch #20 Martin Walter (D) – Thomas Weinmann (D) bei ihrem ersten WM-Lauf nach Verletzungspause direkt qualifizieren konnten. Weniger Glück hatten leider die anderen Deutschen Teams: #78 Tobias Grund (D) – Raphael Markert (D) / #68Marcel Faustmann (D) – Ralf Bernauer (D) / #94 Georg Müller (D) – Ulrich Gilsing (D) und  #44 Andreas Rutter (D) – Stefan Nicke (D), die es nicht schafften sich zu qualifizieren.

Der 1. Wertungslauf bot den Zuschauern direkt schon ab der ersten Runde packende Zweikämpfe und tolle Überholmanöver. #111 Daniel Willemsen (NL) – Gertie Eggink (NL) führten das Feld vom Start weg an, bis in Runde 6 dann Beifahrer Gertie Eggink (NL) bei der Anfahrt zum großen Sprung vor der Zuschauertribüne aus dem Beiwagen fiel und sie von #1 Joris Hendrickx (B) – Kaspars Liepins (LV) überholt wurden. Aber die Aufholjagd dauert nur kurz und schon waren Willemsen (NL) – Eggink (NL) wieder vorbei und fuhren den Sieg nach Hause. Der große Pechvogel waren dann #1 Joris Hendrickx (B) – Kaspars Liepins (LV), die auf Rang 2 liegend in der letzten Runde ca. 50m vor dem Ziel einem kapitalen Motorschaden erlagen und das Gespann durch die letzte Kurve in Ziel schieben mussten, und dadurch noch auf Rang 6 zurück fielen. Nutznießer waren #11 Peter Steegmans (B) – Sven Verbrugge (B) die dadurch zweite vor #33 Baptiste Bigand (F) – Julien Bigand (F) wurden. Etienne Bax (NL) – Ben van den Boogard (NL) als vierte und #2 Jan Hendrickx (B) – Tim Smeuninx (B) als fünfte kompletierten dann diese Vierergruppe die sich bis dato packende Duelle mit vielen Positionswechseln geliefert hatten. Pech hatten #4 Marko Happich (D) – Martin Betschart (CH), die leider aufgeben mussten, nachdem Martin Betschart einen großen Stein direkt auf das Nasenbein bekommen hatte und stark blutete – ebenso wie #20 Martin Walter (D) – Thomas Weinmann (D), die den 1. Lauf aufgrund techn. Probleme nicht beenden konnten. Einzig #14 Thomas Morch (D) – Robbie Bax (NL) kamen als 17. noch in die Punkteränge.

Nach tollem Start im 2. Wertungslauf ereilte #4 Marko Happich (D) – Martin Betschart (CH) auf Position vier liegend ein ähnliches Schicksal wie im ersten Lauf, denn nach einem weiten Sprung knallte Martin Betschart (CH) mit dem Bauch auf die Beiwagenstange, was zur Folge hatte, dass ihm die Luft weg blieb. Mit einer runde Rückstand nahmen die beiden dann das Rennen nochmal auf, aber mehr wie der 23. Rang kam dann leider nicht mehr heraus. Unterm Strich damit ein äusserst unglücklich verlaufenes Null-Punkte-Wochenende für die beiden. #20 Martin Walter (D) – Thomas Weinmann (D) fuhren dagegen ein sehr starkes Rennen und wurden mit Rang 8 belohnt, ebenso wie #14 Thomas Morch (D) – Robbie Bax (NL) die sich mit toller kämpferischer Leistung auf Rang 15 vorgefahren waren, und das mit dem ungünstigsten, weil letzten, Startplatz und den wenigen Überholmöglichkeiten auf der Strecke in Genk. An der Spitze jedoch ging es mächtig zur Sache, wo sich die Teams #1 Joris Hendrickx (B) – Kaspars Liepins (LV) / # 8 Etienne Bax (NL) – Ben van den Bogaard (NL) und #10 Tomas und Ondrej Cermak (CZ) um die Plätze 2 bis 4 streiteten und wirklich tolle Zweikämpfe und Überholmanöver ablieferten. An der Spitze davor fuhren bereits wie im 1. Lauf #111 Daniel Willemsen (NL) – Gertie Eggink (NL) mit komfortablem Vorsprung, und alles sah nach einem sicheren Sieg der beiden aus, bis in der vorletzten Runde bei einem Bergaufsprung das Gespann ins schlingern gerit, Gertie Eggink (NL) aus dem Beiwagen fiel und Daniel Willemsen links in die Böschung und Zuschauer raste. Und es dauerte einige Zeit, bis sie das Gespann wieder befreit und wieder zum laufen gebracht hatten. Dieser Patzer warf die beiden auf Rang vier zurück, und die Zuschauer jubelten ohne Ende, da nun die Lokalmatadoren #1 Joris Hendrickx (B) – Kaspars Liepins (LV) die Führung übernahmen und den 2. Wertungslauf gewannen. Zweiter wurden #8 Etienne Bax (NL) – Ben van den Bogaard (NL) vor den starken Brüdern #10 Cermak aus Tschechien.

In der Gesamtwertung führt nun wieder #1 Joris Hendrickx (B) – Kaspars Liepins (LV) mit einem Punkt vor #111 Daniel Willemsen (NL) – Gertie Eggink (NL). Und so geht es nächstes Wochenende den 10./11.07.10 nach Strassbessenbach (D) zum 7. WM-Lauf 2010.