Spektakulärer WM-Auftakt 2011 in Oss (Niederlande) – Daiders/Daiders mit Höllenritt

So spektakulär wie die Saison 2010 beim Finale in Rudersberg (Deutschland) endete, so begann die neue Saison 2011 im Niederländischen Oss. Im tiefen Sand war der Schlüssel zum Erfolg die richtige Spurrinne zu erwischen, und von diese gab es in allen nur erdenklichen Ausführungen. Nachdem schon der Start zum 1. Wertungslauf nicht unfallfrei verlief – betroffen waren davon leider auch #15 Marko Happich (D) – Meinrad Schelbert (CH) – so ereigneten sich im Laufe des Rennens an einigen bestimmten Streckenabschnitten mehrer Auffahrunfälle, teils sogar regelrechte Karambolagen. Den Holeshot und damit die erste Führung holten sich die Gebrüder #10 Visscher (NL), und konnten diese auch fast die Hälfte des Rennens behaupten. Mussten sich dann aber doch der Übermacht von #1 Daniel Willemsen (NL) – Sven Verbrugge (B) beugen. Die Positionskämpfe verliefen für manche Teams teilweise ohne selbst direkt eingreifen zu müssen. Immer wieder gab es zwei oder gar mehrere Teams die in den Kurven durch die tiefen Spurrillen hin und her geschleudert wurden und sich teils verkarkten oder gar umkippten. Die besten Haltungsnoten bekam hier eindeutig Robbie Bax (NL), Beifahrer von #27 Thijs Derks (NL). Beim einlenken rutsche das Vorderrad in den losen aufgeworfenen Sand und das Gespann kippte über den Beiwagen nach Vorne über, und Robbie Bax zeigte dabei sein Talent für Geräteturnen, und vollführte eher etwas unfreiwillig, einen sehr anschaulichen, einarmig getreckten Vorwärtssalto und landete vor dem nun auf dem Kopf stehenden Gespann im sicheren Stand auf den Füßen. Der Applaus musste ausfallen, denn die beiden Jungs setzen ihre Fahrt unverzüglich fort. Aber damit noch nicht genug Dramatik. In der vorletzten Runde geht dem bis dato führenden #1 Daniel Willemsen (NL) – Sven Verbrugge (B) im letzten Drittel der Strecke der Sprit aus. Scheinbar war die Einführungsrunde nicht in die Tankbefüllung mit einkalkuliert worden… Schnell macht sich ein Mechaniker vom Team Willemsen/Verbrugge per Spurt auf den Weg zum Truck und von dort mit samt Kanister zum havarierten Weltmeister. Nach der Kurzbetankung rettet sich der amtierenden Weltmeister als 9. ins Ziel. Doch als ob dies nicht schon ärgerlich genug wäre, ließ der offizielle Protest bei der Jury nicht lange auf sich warten. Die Aktion war nun leider einmal zu offensichtlich Regelkonform. Und daher folgte das, was laut Reglement folgen musste, nämlich die Disqualifikation aufgrund von unerlaubter Benzinnachfüllung ausserhalb der dafür vorgesehen Helferzone oder auch Boxengasse genannt. Die beiden Brüder aus Lettland Janis und Lauris Daiders fuhren an diesem Sonntag wohl den GP ihres Lebens. Und das gleich im ersten Rennen der Saison mit komplett neuen Material in Form von neuer Rahmen (VMC) und neuer Motor (Zabel vorher KTM). Aber diese neue Kombination scheint wohl zu passen, denn nachdem das Team Daiders in den schon bereits erwähnten Startcrash involviert waren gingen sie als 28 mit über einer halben Runde Rückstand ins Rennen und durchpflügten die sich in einem sehr desolaten Zustand befindliche Rennstrecke sprichwörtlich wie im Fluge. Denn nach 30min+2 Rd. hatten sie 24 Plätze gut gemacht und kamen als vierte ins Ziel.

Mit einer ordentlichen Portion Wut im Bauch über den Verlauf und Ausgang des 1. Wertungslaufes, ließen es dann #1 Daniel Willemsen (NL) – Sven Verbrugge (B) es im 2. Wertungslauf dann aber auch so richtig krachen und fuhren ein sagenhaftes Rennen von der Spitze weg, lieferten sich höchst spannende Duelle mit den super starken #4 Etienne Bax (NL) – Ben van den Boogard (NL) und den Cousins #3 Jan Hendrickx (B) – Tim Smeuninx (B) und #2 Joris Hendrickx (B) – Kaspars Liepins (LV). Doch am Ende mussten Sie sich dem heute einfach fahrerisch stärksten Team aus Lettland #8 Janis Daiders (LV) – Lauris Daiders (LV) geschlagen geben und wurde schließlich zweite vor dem am Ende als Tagessieger feststehenden Belgiern #3 Jan Hendrickx – Tim Smeuninx. Nach dem Gewinn des Starts und einer knapp 6 Runden anhaltenden Führung im 1. Wertungslauf, die dann am Ende mit dem zweiten Platz belohnt wurde, ließen das Team #10 Jan Visscher (NL) – Jeron Visscher (NL) aufhorchen und schafften es mit Rang fünf im 2. Wertungslauf als Gesamtdritte aufs Podest. Beide Wertungsläufe waren geprägt von der sehr schwierig zu fahrenden Sandstrecke, und diese forderte zangsläufig auch Tribut. Denn das neue alte Team #42 Martin Walter (D) – Andre Saam (D) hatte auf einem beachtlichen 8 Rang liegend mit dem Verlust einiger Zähne ihres Kettenritzels zu kämpfen, was am Ende dazu führte das die beiden symphatischen Crailsheimer noch bis auf Rang 23 durchgereicht wurden. Mit Rang 13 im 2. Wertungslauf dann sicherten Sie sich immerhin 8 Punkte.

Denn die Chance die ersten Punkte in der Weltmeisterschaft einzufahren, blieb dem sich neu gebildeten Team #16 Thomas Morch (D) – Stefan Nicke (D) verwehrt. Bereits im ersten freien Training zog sich Beifahrer Stefan Nicke bei einem Sturz eine überaus schmerzhafte Fersenprellung, die trotz aller Versuche im Last Chance Race am Ende keinen Start an diesem Wochenende zuließen. Bleibt nur zu hoffen, dass Stefan Nicke bis zum kommenden Wochenende – DM-Auftakt in Schnaitheim am So. 10.04.11 – wieder fit wird. Die Hoffnungen sind allerdings sehr gering. Nicht gerade die besten Voraussetzungen für das so ehrgeizige junge Deutsche Nachwuchsteam, was eigentlich als Saisonziel hatte, in der int. Deutschen Meisterschaft ganz vorne mitzumischen!

Denn nachdem ein paar der absoluten Top-Teams der Weltelite ihr Vorhaben die komplette int. Deutsche Meisterschaft fahren zu wollen [neben Happich-Schelbert (D/CH), Walter-Saam (D/D) auch Daiders-Daiders (LV), Bürgler-Markert (CH/D), Rodiniov-Rodiniov (RUS), Chlose-Verhagen (B/NL) sowie das hoch talentierte neue Nachwuchs-Team aus Österreich Benjamin Weiss (A) – Patrik Schneider (A), die von keinem geringeren Unterstütz werden als Bertram Martin], bekannt gegeben haben, wird für Thomas Morch (D) – Stefan Nicke (D) nur bei konstant guten Plazierungen der Sprung auf Treppchen möglich. Denn in der Weltmeisterschaft werden die beiden lediglich noch die GP’s in Genk (B), Strassbessenbach (D) und Rudersberg (D), sowie die Team-EM in Jauer (D) fahren und sich ansonsten ausschließlich auf die int. Deutsche Meisterschaft konzentrieren.