Tolle Strecke in Kramolin / #5 Bax-Stupelis dominieren beide Läufe / Willemsen mit Fehlverhalten

SAMSTAG – Qualifikation:

Zwar hatten 60 Teams für den 4. WM-Lauf in Kramolin (CZ) gemeldet, letztendlich fanden nur 48,5 Teams den Weg. 48,5???? Ganz einfach erklärt: 49 Teams waren da, nur leider verschliefen

#71 Silvio Senz (D)/Patrick Leskow (D) die technische Abnahme (7h-8h), und durften so folglich nicht starten. Bitteres Lehrgeld für das Team aus Magdeburg. Bei doch Frühsommerlichen 23 Grad stand ein toller Event an. Die Veranstalter hatten eine perfekte Strecke hingezaubert. Die Strecke war bis auf zwei engere Passage sonst kontinuierlich 5-6m breit. Man konnte z.B. an der langen Bergauffahrt Richtung Helferzone locker mit 4 Gespannen nebeneinander fahren. Die Strecke ist sehr sehr schnell, eine Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 58km/h spricht Bände. Viele lange Sprünge, aber auch schöne Driftkurven waren in allen Streckenteilen gleich verteilt. Leider begann aus deutscher Sicht der Samstag mit den Qualirace nicht sonderlich toll.

Bereits in der Pre-Quali mussten #37 Thomas Morch (D)/Stefan Nicke (D) verletzungsbedingt aufgeben. Was war passiert? #37 Morch/Nicke waren auf einer schnellen Runde und kamen die lange Bergauffahrt zur Helferzone hoch, welche dann mit einem ca. 30-35m Sprung abschließt und dann in eine 180 Grad Rechtskurve mündet mit vollen Speed und langem Sprung hoch, als in dem Moment wo #37 Morch/Nicke in der Luft waren #1 Daniel Willemsen (NL)/Kenny van Gaalen (NL) aus der Helferbox raus auf die Strecke fuhr, aber direkt in die Idealspur auf der Morch/Nicke ankamen. Thomas Morch musste auswichen und fuhr so in die aufgeworfene Erde der Rechtskurve und sie überschlugen sich. Dabei brach sich Beifahrer Stefan Nicke das rechte Schlüsselbein. Eine doch sehr unnötige Aktion vom 9-fachen Weltmeister. Aber auch sonst war es für die deutschen Teams kein glorreicher Tag. Zuerst war es sich der Aufteilung so ausgegangen, dass alle 5 (!!!) sich am Start befindlichen deutschen Teams in der Gruppe B eingeteilt waren. Und da #37 Morch/Nicke ja nicht starteten, war dann #8 Marko Happich (D)/Martin Betschart (CH) der einzige Deutsche, der sich als fünfter direkt für die beiden Wertungsläufe am Sonntag qualifizierte. #34 Marcel Faustmann (D)/Konstantin Koch (D) warn im Qualirace der Gruppe B Anfangs stark unterwegs wurden, aber leider in der zweiten Runde von #20 Gustavsson (S)/Apelgren (S) abgeschossen, und überschlugen sich zweifach.

So mussten die beiden jungen Deutschen in die last Chance. Für die Teams #72 Markus Prokesch (D)/Stefan Hildebrand (D) und #88 Axel Richter (D)/Tino Warminski (D) war so ein schnelles Rennen mit der starken internationalen Konkurrenz, dann doch zu schnell, sie belegten am Ende im Qualirace der Gruppe B die beiden letzen Plätze. #88 Axel Richter sagte hinter: “Die Strecke ist echt sehr geil zu fahren, und wir waren Anfangs nach tollem Start auch gut dabei, aber meine Verletzung am rechten Handgelenk (Wahrscheinlich Muskelfaserriss), die ich mir in Teutschenthal zugezogen habe, tat dann ziemlich weh, und die Wirkung der Schmerztabletten ließ nach, und so ging es Platz für Platz nach hinten!“ Und so probierten es die verbliebenen drei deutschen Teams noch mal in der Last Chance, doch nur #88 Richter/Warminski gelang dann noch eine richtig schnelle Runde und als 29. qualifizierten sich die beiden dann als zweites Deutsches Team für die beiden Wertungsläufe. Für #34 Faustmann/Koch und #72 Prokesch/Hildebrand reichte es diesmal leider nicht. Bleibt die Dominanz von #5 Etienne Bax (NL)/Kaspars Stupelis (LV) in der Gruppe A und #1 D.Willemsen/van Gaalen in Gruppe B zu erwähnen, die beide ihre jeweiligen Qualiraceses von der Spitze weg dominierten und sicher gewannen. Stark aber auch die beiden Tschechischen Lokalmatadoren und Brüderpaare #11 Vaclav und Marek Rozehnal (Gruppe B), sowie #18 Tomas und Ondrej Cermak (Gruppe A), die von den vielen Tschechischen Fans frenetisch angefeuert wurden. Auch die in der int. DM momentan auf Rang zwei liegenden #14 Andy Bürgler (CH)/Raphael Markert (D) fuhren in der Gruppe A auf einen respektablen fünften Rang. Das war’s für heute aus Kramolin.

Sonntag – Wertungsläufe:

Nach dem doch Wettermäßig schönen Samstag, behilet der Wetterbericht für Sonntag leider recht, denn es regnete, genauso wie bereits letzte Woche in Teutschenthal. Somit wird die schnelle Strecke auf ihrem Lehmboden dann heute doch sehr sehr rutschig und schmierig, und dazu noch die extremen Steigungen bzw. Bergabfahrten. Der Start wurde dann auch gleich zur schönen Rutschpartie, leidtragender aus deutscher Sicht waren #8 Happich/Betschart die in der ersten Rechtskurve ganz nach außen gedrängt wurden, und somit auf der schlechten Spur fahren mussten, und dadurch keinen Grip hatte. Das halbe Feld konnte so auf der Innenseite vorbeiziehen und so kamen #8 Happich/Betschart als 23. aus der ersten Runde, schafften es aber zumindest noch bis auf Rang achtzehn und erhielten so 3 WM-Punkte. Auch #14 Bürgler/Markert hatten einen schlechten Start und mussten sich im hinteren Feld behaupten, und kamen am Ende vor #8 Happich/Betschart auf Rang 17 ins Ziel.

Tapfer durchgefahren sind unsere beiden jungen WM-Debütanten #88 Richter/Warminski, die zwar 26. und letzte ins Ziel kamen, aber sicherlich viel Erfahrung sammelten und mal WM-Tempoluft schnupperten. Aber auch Axel Richter’s Handgelenkverletzung wurde sehr beansprucht auf der schwierig zu fahrenden Strecke, trotzdem Respekt, immerhin durchgefahren. Vor allem aber zeigten sich die beiden sehr vorbildlich was das Thema überrundung an ging. Den Start gewannen die Belgier #6 Ben Adriaenssen/Sven Verbrugge vor #5 Etienne Bax (NL)/Kaspars Stupelis (LV) und #222 Joris Hendrickx (B)/Kaspars Liepins (LV). Dahinter dann die üblichen Verdächtigen mit #3 Jan Hendrickx (B)/ Tim Smeuninx (B) und #1 D.Willemsen/van Gaalen als fünte. Diese Spitzengruppe setzte sich dann auch relativ schnell ab, lediglich #138 Valentin Giraud (F)/Nicholas Musset (F) konnten halbwegs folgen. Bis zur 12. Runde konnten #6 Adriaenssen/Verbrugge die Führung halten, fuhren dann beim Überrunden von #10 Millard (GB)/Millard(GB) in diese hinein und filen so auf den fünten Rang zurück, und #5 Bax/Stupelis übernahmen kampflos die Führung, welche bis ins Ziel souverän vor #1 D.Willemsen/van Gaalen behaupteten.

Einen echten Husarenritt lieferten die beiden Lettischen Brüder #2 Janis und Lauris Daiders ab, die nur als 14 aus der ersten Runde zurückkamen, aber schon in der zweiten Runde bis auf Rang sechs vorstürmten. Nachdem sie dann erst noch die Lücke bis zum fünftplazierten #222 Hendrickx/Liepins zufuhren, übten sie auf diese so viel Druck aus, dass Joris Hendrickx sich in einer scharfen Rechtskurve im aufgeworfenen Matsch kurzzeitig festfuhr. Nun war der Weg frei für einen Angriff auf die Spitze und in Runde sechszehn wares dann soweit und die #2 Daiders Brüder zogen zuerst spielerisch an #3 Hendrickx/Smeuninx und dann auch noch an #6 Adriaenssen/Verbrugge vorbei und wurden am Ende hinter #1 D.Willemsen/van Gaalen ganz starke dritte.

Der Start zum zweiten Lauf war wieder von den gleichen Protagonisten geprägt wie im ersten Lauf. Diesmal allerdings in anderer Reihenfolge. #5 Bax/Stupelis fuhren einen souveränen Start/Ziel Sieg heraus, und gewannen damit natürlich auch die Tageswertung. #5 Bax/Stupelis, die seit dieser Saison miteinander fahren, harmonieren von Anfang an so brillant miteinander, als würden sie bereits Jahre zusammen fahren. Auch wenn man bedenken muss, dass Willemsen beim ersten GP in Frankreich keine Punkte holte, so dürfte in dieser Saison der Weltmeistertitel nur über die beiden Holländer Bax und Willemsen gehen. So langsam aber sicher scheint sich sowohl in Holland als auch in der Weltspitze ein Generationswechsel zu vollziehen.  Die auf Rang zwei liegenden #1 D.Willemsen/van Gaalen hatten zu keiner Zeit einen Chance an die beiden Führenden heran zu kommen. Seinen Unmut darüber zeigte Daniel Willemsen mehr als deutlich, denn sein Beifahrer Kenny van Gallen musste sowohl einen Kopfstoß, als auch einen Tritt während eines Sprunges einstecken, quasi als “Anschiss“ für Daniel’s Unzufriedenheit. Selbst die knapp dahinter auf Rang drei fahrenden #6 Adriaenssen/Verbrugge schüttelten bei der Zieldurchfahrt nur mit dem Kopf und zeigten im Ziel dann Willemsen kopfschüttelnd den Vogel.

Für Gesprächsstoff im Fahrerlager ist damit mehr als gesorgt. Denn #6 Adriaenssen/Verbrugge waren nach Rückstand doch noch an die beide Niederlänger heran gekommen und lagen in den letzten Runden in Schlagdistanz. Ein kapitaler Motorschaden stoppte den in der Spitzengruppe liegenden Jan Hendrickx mit Beifahrer Tim Smeuninx. der damit in der Gesamtwertung nun etwas abreißen musste, und bis dato der ärgste Verfolger von #5 Bax/Stupelis war. Nach ihrem tollen ersten Lauf mit Rang drei kamen#2 Daiders/Daiders diesmal nicht über Rang fünf hinaus, denn #222 Hendrickx/Liepins konnten alle Angriffe der beiden Letten erfolgreich abwähren. Und das #14 Bürgler/Markert momentan groß in Form sind, bewiesen sie nach dem verkorksten ersten Lauf diesmal eindrucksvoll. Denn als bestes Linksboot Gespann kamen die beiden hinter den beiden Letten #4 Maris Rupeiks/Elvijs Mucenieks auf Rang sieben ins Ziel. #8 Happich/Betschart steigerten sich ebenfalls deutlich im Vergleich zum ersten Lauf. Sie kamen hinter #138 Giraud/Musset auf Rang zehn. Dabei waren #8 Happich/Betschart in den letzten Runden durchaus in Schlagdistanz, fanden aber leider kein Mittel mehr um an den jungen Franzosen vorbeizuziehen. Auch unser zweites Deutsches Teams #88 Richter/Warminski sah die Zielflagge und auch sie steigerten sich im zweiten Lauf und schrammten mit Platz 22 nur ganz knapp an den Punkten vorbei. Alles in allem aber ein gelungenes WM-Debüt der beiden Jungs. In der Gesamtwertung führen #5 Bax/Stupelis jetzt mit 176 Pkt. recht deutlich. #3 Hendrickx/Smeuninx als zweite haben bereits 36 Pkt. Rückstand. Der nächste WM-Lauf findet in knapp einem Monat, nämlich am 07./08.07.12 in Genk (Belgien) statt. Hier wurde die Strecke nochmals umgebaut, und so darf man gespannt sein, wer dort die Nase vorne hat.