GP Roggenburg (CH) / Beifahrerwechsel und Wetterkapriolen / #37 Morch verletzt abgereist

Samstag – 25.08.12

Regen, Regen, Regen….. Seit Donnerstag regnete es in Roggenburg ohne Pause. In der Nacht auf Samstag dann noch ein ordentliches Gewitter, aber pünktlich am Samstag morgen um 8.30h Ortszeit waren alle Wolken am Himmel verschwunden und die Sohne strahlte, und mit ihr die 46 angereisten Teams. Die Jury hatte in Absprache mit dem Veranstalter eine sehr steile Bergaufpassage aus der Streckenführung rausgenommen, und so die Strecke um ca. 200m verkürzt. Im Freien Training und der Pre-Quali war die Stecke noch sehr rutschig aber durch die Sonne war die Strecke dann rechtzeitig abgetrocknet und in perfektem Zustand. Aus deutscher Sicht erfreulich war, dass insgesamt fünf Teams den Weg nach Roggenburg gefunden hatten.

Neben #37 Morch/Nicke und #50 Walter/Schelbert, waren auch #90 T.Blank/Moll, #34 Faustmann/Koch und auch #73 Hertfelder/Daiß am Start. Vor allem #73 Fabian Hertfelder, der sich beim GP in Genk am Hendgelenk verletzt hatte, war quasi nach Genesung ohne Trainng angereist. Mit dem Hintergedanken diesen GP als Training zu nutzen, ging das Team ohne jedliche Ambitionen an den Start. Mit ihrem WM-Debut im Jahr 2012 gaben die Italiener #97 Hotmar Pozzi/Marco Ceresa dem WM-Zirkus noch etwas südeuropäischen Flair. Die beiden schlugen sich tapfer, konnten sich allerdings leider nicht für die beiden Wertungsläufe am Sonntag qualifizieren. In der Gruppe A gab es weiter keine großen Überraschungen. #1 D.Willemsen/Daiders gewannen ihren Lauf souverän vor #6 Adiraenssen/Verbrugge und #3 Jan Hendrickx/Mucenieks. Der Lette Mucenieks war als Ersatz für den verletzten Tim Smeuninx (B) zu Jan Hendrickx gewechselt. Dessen Etamäßiger Fahrer #4 Maris Rupeiks konnte mit dem Schweizer Marius Strauss aber schnell einen Ersatzmann finden, und die beiden kamen auch auf Anhieb gut miteinander zurecht, was der fünte Platz im Qualirace bestätigte. Das gleiche galt auch für #3 Hendrickx/Mucenieks.

Hinterher sagte Elvijs Mucenieks: „Wieder eine neue und vor allem gute Erfahrung für mich mit Jan zu fahren. Von Anfang bis Ende nochmal einen Tick schneller als mit Maris Rupeiks. Und als uns #11 Rozenhal/Rozenhal bedrängten, musste Jan ordentlich pushen. Das war dann doch eine ganze Ecke schneller und vor allem härter wie gewohnt. Aber ich freue mich sehr auf morgen, auch wenn es hart wird zwei Mal 30min.“, sprachs und schmunzelte dabei spitzbübig zu seinem Landsmann Lauris Daiders, der daneben stand und das Interview interessiert verfolgt hatte. Nach ein paar kurzen Worten auf Lettisch zwischen den beiden, meinte Elvijs Mucenieks noch abschließend: „Frag ihn mal, wie er seine Spazierfahrt heute fand“, und deutete zu Daiders. Ein junger symphatischer Kerl dieser Elvijs Mucenieks, der mit Sicherheit in naher Zukunft noch von sich reden machen wird. Mit einem guten neunten Rang, konnten sich #50 Walter/Schelbert direkt qualifizieren, während wie zu erwarten #73 Hertfelder/Daiß in die Last Chance mussten, dort aber gegen das doch recht starke Feld es nicht schafften einen der ersten sechs Plätze zu ergattern. Wesentlich spannender und vor allem dramatischer war es da im Qualirace der Gruppe B. Leider auch mit viel Drama aus deutscher Sicht. Vorab aber sei erwähnt, dass #222 Joris Hendrickx/Liepins einen ungefährdeten Start/Ziel Sieg heraus, vor #5 Bax/Stupelis, die nach einem schlechten Start sich erst von Rang sechs bis auf am Ende Rang zwei vorarbeiten mussten.

Dabei schnappten sich #5 Bax/Stupelis nacheinander zuerst #14 Bürgler/Markert, die am Ende fünte wurden, danach waren #21 M.Willemsen/Eggink dran und zu guter letzt gingen sie mit einem äusserst sehenswerten Überholmanöver an #138 Giraud/Musset vorbei. Unsere Deutschen Teams #34 Faustmann/Koch und #37 Morch/Nicke lagen nach guten Starts Anfangs in den Top Ten. Am Ende reichte es für #34 Faustmann/Koch als zwölfte zur direkten Qualifikation. Pech hatten dagegen #37 Morch/Nicke, die eine Runde vor Schluss in einer rechtskurve vom Links-Gespann von #17 Brown/J.Chamberlain innen überholt wurden, dabei berührten sich die beiden Beiwagenräder und #37 Morch/Nicke wurden nach Aussen in die Bande gedrückt wo sie sich dann mit Fussraste einharkten und querstellten. So vielen sie leider bis auf Rang 13. zurück und hatten am Ende nur 1 sek. Rückstand auf den letzten direkten Qualifikationsplatz zwölf, den ja #34 Faustmann/Koch inne hatten. Diese hatten ganz geschickt kurz vor dem Ziel das Tempo rausgenommen und sich von den Führenden #222 Jo.Hendrickx/Liepins überholen lassen und dann direkt hinter diesen ins Ziel zu fahren. Ein riskantes Manöver, da wie bereits erwähnt direkt dahinter #37 Morch/Nicke angeflogen kamen, aber es zahlte sich aus. Eine weitere Runde hätten #34 Faustmann/Koch gegen #34 Morch/Nicke wahrscheinlich keine Chance gehabt, ihren Platz zu verteidigen. Des einen Freud, ist bekanntlich des anderen Leid, und so mussten #37 Morch/Nicke in die Last Chance.

Dort konnten sie sich als dritte sicher für morgen qualifizieren. Aber ob Thomas Morch fahren kann ist mehr als fraglich. Denn bei dem kleinen Unfall im Qualirace, hatte sich Thomas Morch wieder das linke Knie verdreht und ein richtig heftiger Bluterguss war das Ergebnis. Morch kann kaum auftreten und hat sich vorerst in medizinische Behandlung begeben. In der Last Chance gab es dann doch noch zwei tolle Ergebnisse zu vermelden. Von ihren zahlreichen Fans frenetisch angefeuert, brannten die beiden jungen Österreicher #68 Weiss/Schneider eine Wahnsinnszeit in die Strecke, und qualifizierten sich sensationell als fünte für die beiden Wertungsläufe am Sonntag. Lange Jahre hat es gedauert, bis nach Bertram Martin wieder ein Österreicher bei einem WM-Lauf an den Start geht. Und mit etwas Glück feiern #90 Tobias Blank/Maximilian Moll morgen ihre WM-Premiere, denn als zweites Reserveteam übertrafen die beiden Youngster die eigenen Erwartungen. Entsprechend groß die Freude im gesamten Team. Damit ist der doch recht ereignisreiche Samstag zu Ende. Nun kommt das Abendprogramm in der Festhalle.

 

Das Knie von #37 Thomas Morch

Das Knie von #37 Thomas Morch

UPDATE: Die Verletzung von Thomas Morch ist doch ernster wie gedacht. Nachdem Thomas Morch im Krankenhaus war, stellten die Ärzte im Schienbein einen Haarriss fest, welcher aber etwas älter ist, vermutlich vom Abflug beim offenen Lauf in Bramberg vor einigen Wochen. zum Glück sind aber scheinbar keine Bänder betroffen. Viel schlimmer ist aber die Quetschung, und der daraus resultierende Bluterguss (siehe Bild rechts) der sich über fast das gesamte Bein erstreckt. Es besteht die Gefahrt, dass der Bluterguss den Muskel abdrückt und ihn so absterben lässt. Die Ärzte gaben Morch daher absolutes Startverbot. Das Team Morch ist auch bereits direkt am Sonntag morgen abgereist, damit Thomas Morch sich zu Hause in Torgau direkt heute noch in ärztliche Behandlung begeben kann. Bis zum GP-Finale in Rudersberg sollte die Verletzung aber hoffentlich wieder ausgeheilt sein. Wir wünschen an dieser Stelle eine schnelle Genesung und gute Besserung. 

Sonntag – 26.08.12

Nachdem es am gestrigen Abend wieder ordentlich geregnet hatte, zeigte sich der Sonntag morgen aber doch wieder von seiner guten Seite. Nur teilweise bewölkt mit vereinzelt Sonnenschein, versprach der Tag doch zumindest trocken zu bleiben. Wie bereits erwähnt, haben der Veranstalter und die Jury den in der Quali noch ausgeschlossenen Teil der Strecke heute wieder eingegliedert. Es geht also jetzt auch bis auf die Spitze des Berges auf der anderen Talseite, in dem die Strecke sonst ausschließlich verläuft. Die Auf- und Abfahrt zu diesem Berg ist mit eine der steilsten in dieser Saison, bereits im Warm up hatte sich das ein oder andere Team verschätzt und war mit zu wenig Schwung unterwegs und schaffte es geradeso und mit etwas anschieben des Beifahrers, den Berg hinauf. Die Teams hatten aber alle genug Zeit sich den neue Streckenteil anzuschauen und ihre Ideallinie zu finden.

Den Start gewannen mal wieder #1 D.Willemsen/Daiders. Schon nach kurzer Zeit hatten sie einen respektablen Vorsprung herausgefahren, den sie dann bis ins Ziel sicher verwalteten, und somit den ersten Lauf gewannen. Dahinter mussten #5 Bax/Stupelis bereits wie gestern in den Qualiraces nach einen nicht so guten Start erst einige Plätze gutmachen, bis sie auf den zweiten Rang vorgefahren waren. Lange Zeit hielten #6 Adriaenssen/Verbrugge dagegen, mussten sich am Ende aber doch mit Rang drei dem Niederländisch-Lettischen Duo geschlagen geben. Hinter den ersten drei, reihte sich dann die berühmte Perlenkette auf und relativ schnell waren die Plätze im Mittelfeld verteilt. Sowohl #222 Jo.Hendrickx/Liepins als vierte, wie auch #138 Giraud/Musset als fünfte fuhren ein sehr einsames Rennen. #3 Jan Hendrickx mit seinem Aushilfsbeifahrer Elvijs Mucenieks lieferte sich einen ansehnlichen Kampf mit den beiden Tschechen #11 Rozehnal/Rozehnal, und konnte nach einem geschickten Überholmanöver dann den sechsten Platz nach Hause fahren. Es gab leider wenig Überholmanöver. Am sehenswertesten war da noch die Aufholjagd von #14 Bürgler/Markert, sich im Verlauf des Rennen um 5 Plätze bis auf elf am Ende des Rennens steigern konnten. Gleich am Start gab es einen kleinen Crash, die Leidtragenden waren die beiden Schweden #33 Stenborg/Nilsson, bei denen der Tank kaputt ging und das Benzin herauslief, so dass an eine Weiterfahrt nicht mehr zu denken war.

Schade auch für #4 Rupeiks/Strauss, bei denen sich schon in der zweiten Runde der Mouse aus dem Reifen drückte, und sie es auf der blanken Felge nicht mehr bis zur Helferbox schafften. Auch die WM-Debütanten aus Österreich #68 Weiss/Schneider mussten das Rennen leider vorzeitig beenden, nachdem Beifahrer Patrick Schneider aus dem Seitenwagen gefallen war, und sich dabei leichte Blessuren zu zog. Für die beiden Deutschen Teams lief es leider auch nicht so wie vielleicht erhofft. #34 Faustmann/Koch mussten nach recht passablem Start Paltz für Platz abgeben und wurden am Ende 22. und gingen somit in der Punkteverteilung leer aus. #50 Walter/Schelbert konnten dagegen mit Rang 19 immerhin noch 2 Pkt. auf ihrem Konto verbuchen. Eine wirklich sehenswerte Aktion zeigte das Englische Team #17 Brown/J.Chamberlain. Bei der Landung nach einem Sprung löste sich der Notausschalter und der Motor ging aus. Beifahrer Josh Chamberlain zog Geistesgegenwärtig die Kupplung, und lenkte das weiterrollende Gespann um die nächsten zwei Kurven, während Fahrer Stuart Brown sich nach unten bückte, um den Notausschalter wieder einzuharken und den Motor neu zu starten. All dies geschah während das Gespann noch in Bewegung war und rollte, und kostete das Team am Ende so nur einen Platz. Aber ein gutes Teamwork war dies allemal, Respekt.

#61 Wilkinson vs. #4 Rupeiks

2. Lauf

Im zweiten Lauf hieß es dann sprichwörtlich:“ Spiels noch einmal, Daniel…“. Wieder mit dem Hole-Shot: #1 D.Willemsen/Daiders. Wieder ein ungefährdeter Start/Ziel Sieg: #1 Willemsen/Daiders. Hinterher schelmische Freude bei Daniel Willemsen, der sichtlich zufrieden und vor allem Glücklich über die zwei Laufsiege heute war. Im Gesamtklassement baute er damit seinen Vorsprung auf #5 Bax/Stupelis auf nunmehr 24 Punkte aus. Dies bedeutet, dass wenn #1 Willemsen/Daiders in den beiden letzten Wertungsläufen in Rudersberg (D) nur einen Punkt mehr holen wie #5 Bax/Stupelis, dann sind Daniel zum zehnten und Lauris Daiders zum ersten Mal Weltmeister. Einen Sahnestart hatten #14 Bürgler/Markert, die als dritte hinter #21 M.Willemsen/Eggink aus der ersten Runde kamen und dann sogar die beiden Niederländer noch überholen konnten und für zwei Runden auf Rang zwei lagen.

Doch gegen die schnelleren Rechtsausleger #5 Bax/Stupelis, sowie #222 Jo.Hendrickx/Liepins und schließlich auch #6 Adriaenssen/Verbrugge hatten sie wenig auszurichten. Dennoch hielten sie sich zunächst auf einem respektablen fünften Rang, bis Andy Bürgler in einer 90° Rechtskurve den Motor abwürgte und es über eine Runde dauerte bis Beifahrer Markert dann den Motor für den bereits entkräfteten Bürgler wieder angetreten hatte. Sehr schade, denn bis dahin waren die beiden super unterwegs und Rang vier am Ende wäre sonst locker drin gewesen. So kamen sie am Ende nur auf Rang 21 und ohne Punkte in Ziel. Aber auch für #21 M.Willemsen/Eggink ging es nach Rang zwei in der ersten Runde noch bis auf Rang sieben zurück. Trotzdem ein gutes Ergebnis für die beiden symphatischen Holländer. Aber auch #3 Jan Hendrickx schlug sich mit seinem kurzfristig eingesprungenen Beifahrer Elvijs Mucenieks recht achtbar aus der Affäre. Nach Rang sechs im ersten, war es dann am Ende Rang fünf im zweiten Wertungslauf. Eine echte Überraschung an diesem Wochenende waren die beiden Engländer #24 Jenkins/D.Chamberlain, die mit insgesamt 23 Pkt. zwei mal in die Top 12 fuhren so ihre beiden besten Saisonergebnisse einfuhren. Im allgemeinen war der Kurs in Roggenburg für die Linksausleger-Gespanne eher gelegen. Schade, dass unser deutscher Topfahrer #8 Marko Happich auf seiner Abschiedstour hier nicht mit am Start war.

Für die anderen deutschen Teams verlief der zweite Lauf durchwachsen. Während #34 Faustmann/Koch als 22. wieder keine Punkte holen konnten, steigerten sich #50 Walter/Schelbert nochmals und wurden 16. Leider kamen die beiden deutschen Youngster #90 T.Blank/Moll nicht zu ihrem erhofften ersten WM-Einsatz, denn alle Teams gingen auch im zweiten Lauf an den Start, so dass sie wieder zurück ins Fahrerlager geschickt wurden und einpacken konnten. Trotzdem war es für das junge Team ein toller Erfolg sich überhaupt qualifiziert zu haben. Beim WM-Finale in Rudersberg, wollen die beiden den nächsten Anlauf starten. In Rudersberg kommt es nun auch zum Showdown in der WM. Während #1 D.Willemsen/Daiders und #5 Bax/Stupelis den Titel unter sich ausmachen werden, kämpfen noch drei Teams um den dritten Gesamtrang. Die besten Aussichten haben #6 Adriaenssen/Verbrugge und #222 Jo.Hendrickx/Liepins, die vor dem Finale zwei mickrige Pünktchen trennen. Zehn Punkte dahinter hofft #3 Jan Hendrickx, der die Saison mit Elvijs Mucenieks beende wird, noch auf einen Ausfall seiner Kontrahenten. Für Jan Hendrickx ist dieser GP erst der zweite überhaupt in seiner 12jährigen Karriere gewesen, an dem er mit einem anderen Beifahrer als Tim Smeuninx gefahren ist. Damit verabschieden wir uns aus Roggenburg, danken dem Veranstalter für einen wirklich perfekt organisierten Event, und empfehlen jedem am 15./16.09.12 nach Rudersberg zu kommen, denn dort wird es mit Sicherheit ein Herzschlagfinale geben.